Menu
menu

Der erste Tag beim Open Border Kongress in den Münchner Kammerspielen

„Die CSU scheint eine Art Deutsch-Guantanamo an den Grenzen zu wollen!“ Mit diesen markigen Worten von Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, eröffnete am Freitag, 16. Oktober 2015, den „Open Border Kongress“ in den Münchner Kammerspielen.

Draußen vor den Toren legte die AfD „politischen Einspruch“ gegen die Veranstaltung ein, Kritik von der CSU, sogar einen Anruf von der Münchner Kriminalpolizei musste der neue Intendant der Kammerspiele, Matthias Lilienthal, entgegen nehmen – besser hätte die Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld nicht laufen können.
Von all dem ließen sich zahlreiche Münchner*innen nicht abhalten und stürmten so zahlreich die Kassen des Theaters, dass das Kongress mit einiger Verspätung erst eröffnet werden konnte. Gleich die ersten Reden stimmten wunderbar auf die nächsten drei Tage ein. Mit Simulatanübersetzung Deutsch-Englisch-Französisch-Arabisch wird sichergestellt, dass die allermeisten dem Kongress folgen können.
Die erste Rede des Abends durfte dann Ousmane Diarra, Präsident der Organisation AME (Assoziation der Abgeschobenen Malis) halten und schilderte mit Eindringlichen Worten die Situation der abgeschobenen in Mali. Dann folgte der Höhepunkt für viele Münchner, Prantl, von vielen verehrt, prangerte in bekannter wortgewaltiger Weise die Verlogenheit deutscher Flüchtlingspolitik an und warnte vor der „Orbanisierung“ des Abendlandes. „In dieser Welt ist selbst die „Flieh-“Kraft ein Privileg“ – es sind diese Wortspiele für die ihn das Münchner Publikum schätzt und liebt.
Doch auch Napuli Paul Langa, Mitorganisatorin des Protestcamps der Geflohenen am Berliner Oranienplatz konnte in ihrer lebendigen Art und Weise, im angenehmen Gegensatz zu Prantl, die Teilnehmer*innen begeistern.

Weniger gut besucht, dafür inhaltlich umso intensiver, war das Podiumsgespräch zwischen Hamado Dipama, Mitglied im Münchner Ausländerbeirats, Nevroz Duman, aktiv bei „Jugendliche ohne Grenzen“, Rex Osa, engagiert in der Organisation „The Voice“, und Felleke Bahiru Kum, aktive bei „Deutschland-Lagerland“. Moderiert von Larry Moore Macauly, Cefredakteuer des Refugee Radios Networks, legten sie ihre Sicht auf die Auswirkungen von Protesten von Geflüchteten dar. Zu Anfang stelle Nevroz Duman klar, „Flüchtlinge sind keine Opfer, noch ist Flüchtling sein ein Beruf: Wir sind auch Menschen!“ Die 25-jährige bekam viel Zustimmung für ihre Aussagen und sprach das aus, was in der späteren Diskussion mehrmals abgewandelt, wiederholt wurde. So forderte auch Felleke Bahiru Kum, „egal wo man ist, man muss für seine eigenen Rechte kämpfen.“ Deutliche wurde in der Diskussion die Aufforderung an alle Geflüchtete, selber aktiv zu werden und sich nicht zu sehr auf die Unterstützung der Regierung zu verlassen. „Weil die deutsche Regierung unsere Länder zerstört, haben wir auch das Recht hier unsere Rechte einzufordern!“ begründete Hamado Dipama seine Forderung. Duman ergänzte, „ ‚Refugee welcome‘ bedeutet nicht am Bahnhof zu stehen und Flüchtlinge zu begrüßen, sondern den Menschen ihre Würde wieder zu geben.“

Dies waren nur zwei von zahlreichen Veranstaltungen am Abend, am Samstag geht es mit Vorträgen, Vorführungen, Performances und vielen mehr weiter. Passender als zur jetzigen Zeit kann der Kongress jedenfalls nicht kommen.