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Alireza, 21, Spieler des ESV Neuaubing und die drohende Abschiebung

Noch im Sommer konnte sich Mohammed Riza Hossini, von allen nur „Alireza“ genannt, freuen: „Wir haben hier Freunde gefunden, das ist super!“ durfte er „Hallo München“ über seine Zeit beim ESV Neuaubing erzählen.

Seit fünf Jahren ist Alireza in Deutschland, mit 16 Jahren ist er aus Afghanistan geflohen. Er ist wohl das, was gemeinhin ein „vollintegrierter Flüchtling“ genannt wird. Er spielt Fußball, hat eine Freundin, spricht perfektes Deutsch, lebt eigenständig und zahlt regelmäßig Steuern. Und trotzdem: Ende Oktober droht seine Abschiebung. Eine Abschiebung in ein Land, das gerade wieder in Chaos zu versinken droht. Der kommende Frühling dürfte eine neue Offensive der Taliban dem Land bringen.

Die Stimmung auf dem Gelände des ESV Neuaubing ist angespannt. Gerade hat die Flüchtlingsmannschaft zwar den Gegner mit 8:0 keine Chancen gelassen, aber die drohende Abschiebung drückt auf die Gemüter. Von Beginn an ist Alireza beim ESV dabei. Erst eine Freizeitmannschaft, spielt er seit dieser Saison im regulären Spielbetrieb mit. C-Klasse, ganz unten. Doch für viele der Spieler ist genau das die große Chance. Sie kommen von allen Brennpunkten dieser Welt und haben hier beim Fußballtraining die Möglichkeit, für ein paar Stunden alles andere zu vergessen.

Noch hoffen alle, dass es gut ausgeht. Dass in letzter Minute die bürokratische Maschinerie doch noch aufgehalten werden kann. Dass politische Phrasen keine leeren Worte bleiben. Dass nur ein Schicksal von vielen, gut ausgeht. Dass den Versprechen vom Münchner Hauptbahnhof praktische Taten folgen. Dass Alireza seine Freundin endlich heiraten kann und er ein Leben ohne Krieg führen kann.

Ein etwas Ausführlicheres Portrait, gab es beim Bayerischen Rundfunk.

Hier hatte er noch gut lachen. Alireza, am Rande des ersten Saisonspiel des ESV Neuaubing.
Hier hatte er noch gut lachen. Alireza, am Rande des ersten Saisonspiel des ESV Neuaubing.