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Seit über einem Jahr marschiert PEGIDA nun durch München. Seitdem sich die Asyldebatte in Deutschland verschärft hat, ist die Zahl der Teilnehmende bei PEGIDA wieder gestiegen und hat sich auf grob geschätzt 200 eingependelt. Das Publikum bestand aus immer den gleichen Personen, etwa 10-20 Prozent sind dem eindeutig Nationalsozialistischem Lager zuzurechnen und sonst bestehen die Kundgebungen aus überwiegend älteren Personen, deren Gedankengut gefährlich ist, die allerdings sonst nicht weiter auffällig sind und wohl auch keiner weiteren Vereinigung angehören.

Dieses Bild hat sich nun gewandelt.

Äußerlich kaum vom Gegenprotest zu unterscheiden, läuft seit kurzem eine neue und wesentlich jüngere Generation den wöchentlichen Kundgebungen vorneweg und bestimmt den Ton und die Parolen. Die Identitäre Bewegung ist gut an ihren Gelb-Schwarzen Fahnen und Bannern zu erkennen, die das griechische Lambda, Symbol der Krieger Spartas im Film „300“, tragen. Ebenso wie ihre Mitglieder, ist auch die Bewegung eine noch sehr junge und ist in München und in Deutschland bislang nur sporadisch in Erscheinung getreten. Ihre Anfänge hat die Bewegung in Frankreich und ist dort als „Bloc Identitaire“ respektive dessen Jugendorganisation „Génération Identitaire“ bekannt. Als ein Phänomen der „Neuen Rechten“ lehnen sie die Unterscheidung von Rechts und Links ab und wenden sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das verschleiert allerdings nur ihre wahre Identität. Altgediente Begriffe werden durch neuere, wohlklingendere ersetzt.

Identitäre vor der Feldherrnhalle in München. während einer PEGIDA Kundgebung.
Identitäre vor der Feldherrnhalle in München. während einer PEGIDA Kundgebung.

Der „Große Austausch“

So sieht sich die Bewegung als „Aufwecker“ und „Aufklärer“ und warnt vor dem „Großen Austausch“ So schreiben sie: „Fast jeder weiss, dass etwas Bedrohliches stattfindet, aber keiner hat ein klares Bild davon. Die Medien vernebeln es hinter Begriffen wie „Vielfalt“, „Entwicklung“ und „Bereicherung“. Dabei ist die Sache erschreckend simpel: Wir werden ausgetauscht!“ Stichwort „Lügenpresse“. Der stattfindende „Große Austausch“ ist ein Geheimnis und niemand darf drüber wissen. Nur die Identitären wissen von diesem Austausch. Als Vertreter „Jugendlicher ohne Migrationshintergrund“ fordern sie ihr Recht auf „Heimat, Identität und Zukunft“ ein. Als Hüter dieses Wissens wird eine Gemeinschaft suggeriert, aus der es nur schwer ist auszubrechen. Eine Elite warnt und alle müssen folgen. Zentraler Begriff ist dabei Kultur, genauer die deutsche Kultur. Sie schreiben selber: „Es gibt Deutsche, die eine jahrtausendealte ethnokulturelle Traditionslinie prägt und die durch Kultur, Sprache und ethnische Zugehörigkeit verbunden sind. Diese Tatsache hat nichts mit stumpfen Biologismus oder Rassenreinheit zu tun. […] Deutschland blieb immer Deutschland. Österreich, Österreich. Frankreich, Frankreich. […] In nur wenigen Jahren droht diese jahrtausendelange Traditionslinie völlig abzureißen und Deutschland wird nicht mehr das Land der Deutschen und Europa nicht mehr der Kulturraum der Europäer sein.“ Dies ist nicht nur historisch falsch, sondern soll die zutiefst von rassistischen Denken durchzogene Argumentation verschleiern. Sie leugnen nicht die Vielfalt der Kulturen, fordern aber, die Schließung von Grenzen, um den Austausch dieser zu verhindern.

Gut zu erkennen, das Lambda Symbol. "Soldatische Männer verteidigen eine straff organisierte, elitäre Gesellschaft, in der behinderte Kinder getötet werden, gegen eine übermächtige Invasion fremder in ihren Augen degenerierter Mächte und sterben lieber den Märtyrertod als vor dem Feind aufzugeben."
Gut zu erkennen, das Lambda Symbol. „Soldatische Männer verteidigen eine straff organisierte, elitäre Gesellschaft, in der behinderte Kinder getötet werden, gegen eine übermächtige Invasion fremder in ihren Augen degenerierter Mächte und sterben lieber den Märtyrertod als vor dem Feind aufzugeben.“

Kultur als zentrales Element

Ein Blick auf konkretere Forderungen lichtet den Schleier schon etwas mehr. Nach eigenen Angaben sind sie die „ersten und aktivsten Gegner von Masseneinwanderung und Islamisierung in ganz Europa“ und fordern einen „sofortigen Stopp der Masseneinwanderung, eine kompromisslose europäische Grenzpolitik, eine sofortige Reform des Asylrechts, klare Bekämpfung der Islamisierung sowie eine kinderfreundliche Familienpolitik im Sinne der autochthonen Deutschen.“ Bekannte klassische und zentrale Themen der „älteren“ Generation.

„Die „Identitäre Bewegung“ als paneuropäisches rechtsextremes Netzwerk stellt speziell für die deutsche „Neue Rechte“ einen entscheidenden Entwicklungsschritt dar. Befreit und bereinigt vom „Ewig Gestrigen“ und mit authentisch jungem Auftreten wird ein weiterer Schritt weg vom dritten Reich vollzogen. Eine in Ästhetik und Rhetorik unverfängliche xenophobe, rassistische Ideologie wird vertreten, die stark an jene rechtsextremen Konzepte vor 1930 erinnert. Auch in „Mein Kampf“ steht ja nicht geschrieben: „treibt alle Juden und Zigeuner zusammen und vergast sie“, auch hier wurde scheinbar sachlich und „politisch korrekt“ beschrieben, wie gut der Deutsche ist und wie schlecht alles andere eigentlich zu ihm passt. So stellt die „Identitäre Bewegung“ eine ideologische Gruppe dar, die durch das herkömmliche Vorstellungsraster von rechtsextremer Ideologie durchfällt. Dadurch ist es ihnen möglich, Jugendliche anzusprechen, die normalerweise eine Beschäftigung mit rechtsextremen Ideologien ablehnen würden.“ (Quelle: netz-gegen-nazis.de)

Von der Facebook Bewegung hat sich in München nun der Schritt in eine Bewegung mit erkennbaren Gesichtern getan. Sie sprechen auf PEGIDA Kundgebungen und laufen neben bekannten Nationalsozialisten aus der Szene in einer Reihe. Damit Unterscheiden sie sich lediglich äußerlich von ihren Ahnen und Vorbilder – und dürfen nicht weniger unterschätzt werden.

Auch Karl Richter, Stadtrat der NPD-Tarnliste "Bürgerinitiative Ausländerstopp" nimmt an PEGIDA Kundgebungen teil.
Auch Karl Richter, Stadtrat der NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ nimmt an PEGIDA Kundgebungen teil.

Quelle der Zitate: Identitäre Bewegung Deutschland

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