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AfD Kundgebung in Erfurt am 16. März 2016

Nach den Landtagswahlen vom Wochenende rief die AfD Thüringen in Erfurt unter dem Motto „Flagge zeigen gegen den Asyl-Wahnsinn!“ zur Kundgebung mit Marsch zum thüringischen Landtag. Mit Spannung wurde dabei insbesondere die Rede des AfD Fraktionschef Björn Höcke erwartet worden. Gegenprotest hatte sich ebenfalls angekündigt.

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Heck (1. v.r.) im Gespräch mit einem jungen Anhänger.

Mit lauten „Höcke, Höcke, Höcke!“ Rufen empfing eine Begeisterte Menge den Vorsitzenden der AfD in Thüringen und eines der bekanntesten Gesichter der Partei. Geduldig empfing er seine Parteigenossen, unterschrieb Deutschlandfahnen und übte sich im shake-hand vor den Kameras. Volksnah will er sich geben und das möglichst medienwirksam verkaufen. Mit den Erfolgen bei den Wahlen steht die Partei nun unter besonderer Aufmerksamkeit und nichts soll den bürgerlichen Anschein stören. Blöd nur, dass das Anwesende RTL Fernsehteam mit zwei privaten Security filmen muss. Ein Armutszeugnis für eine selbsternannte demokratische Veranstaltung, nicht zuletzt auch für die Polizeikräfte, die sich die ganze Zeit über vornehm im Hintergrund halten. Höcke kann sich daran nicht stören, es gibt derzeit keine Gründe, still und immer mit einem Lächeln im Gesicht nimmt er die Huldigungen seinen Anhänger entgegen.
Der völkische Politiker hat hier leichtes Spiel. Während Petry, Storch und andere Mitglieder des Bundesvorstandes peinlich bis mühsam die Talkrunden der Fernsehlandschaft besuchen (oder noch peinlicher wieder absagen), muss er hier nicht mit Gegenwind rechnen. Er ist hier der unangefochtene Star und Liebling. Das Einpeitschen dürfen an diesem Abend andere übernehmen. Schon fast auffällig, wie sehr er sich zurück nimmt. Nur einmal mimt er den Einsinger und stimmt ein „Schwarz, rot, gold ist uns bunt genug“ Chor an, in den die Menge begeistert mit einstimmt.

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Die Schweinemütze ist eine beliebtes Symbol, seit in den Niederlanden ein Demonstrant festgenommen wurde, der diese trug.

So geht es fröhlich und beglückt Richtung Landtag, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Hier kommen sich Kundgebung und Gegenprotest das einzige mal zumindest in Seh und Hörweite. Zwei Gitterreihen trennen beide Lager weiträumig voneinander.

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Der Gegenprotest auf der anderen Seite der Absperrung.

Der Gegenprotest fällt schwach aus. Gegen halb sieben vom Hauptbahnhof gestartet, musst der Demozug, an dem sich ca 150 -200 Personen beteiligten, schon bald vor den aufgestellten Gittern warten und der AfD Demo den Vortritt lassen. Erst nachdem der Zug der AfD vorbei war, konnte der Gegenprotest in die entgegengesetzte Richtung weiterziehen. Es gab wohl versuche, eine Blockade zu errichten. Es blieb allerdings beim Versuch und es wurde schnell wieder aufgelöst. Dies war auch der einzige Gegenprotest, auf der restlichen Strecke, selbst vor dem Landtag, gab es keinerlei Gruppierungen, die gegen die AfD Stellung bezogen.

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Der Höhepunkt des Abends waren dann die zwei Gastreden und die Rede von Björn Höcke zum Schluss.
Den Anfang durfte Stefan Möller machen. Möller ist parlamentarischer Geschäftsführer der AfD im Landtag. Dieser übernahm den Part, den sonst Höcke gerne spielt: Der völkische Kulturlehrer. Er sprach von „der heutigen Atmosphäre der Meinungsverbote und Intoleranz“ und der „gefühlsdusseligen, Weltverbesserungsattitüde der Altparteien“. Kernpunkt war die Asylpolitik. Nach der Meinung von Möller, könne ein „Kulturfremder Arbeiter“ niemals so werden, wie ein Deutscher Arbeiter. Den deutschen (Fach-) Arbeiter zeichne „ein traditionell unverbesserlicher Arbeitsethos“ aus, der dem deutschen Volk seit Kindheit antrainiert wird. Ein zugwanderter Arbeit können dies niemals schaffen und sei daher minderwertig. Wasser auf den Mühlen der „Volksverräter“ und „Abschieben! Abschieben!“ Rufer. Die Masse war in Stimmung und sollte es sein. Tiefster Rassismus und Xenophobie im Nadelstreifenanzug.

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Stefan Möller (2. v.l.) am Rednerpult.

Die Energiepolitik war das Thema von Dr. Christian Blex, aus Warendorf, Nordreihen-Westphalen, angereist. Dr. Blex sprach schon in Vergangenheit über die Windräder, deren „Schattenwurf die Psyche belaste“. Er schlug in die selbe Kerbe, bezeichnete alternative Energieversorgung als „ökoreligiöser Wahn“, dessen einziges Ziel sein, die Taschen von Grünen Weltverbesserern zu füllen. Das Publikum war begeistert.
Unterdessen war den zahlreichen Ordnern aufgefallen, dass sich Vertreter der Presse in den Abgesperrten Bereich vor der Bühne befanden, die sofort hinter die Absperrung befördert wurden, Zutritt sei „nur den eigenen Leuten“ gestattet. Eine mindestens ungewöhnliche Praxis.

Unter frenetischen Jubel betrat schließlich Höcke die Bühne. Hier war er ganz in seinem Element und bedankte sich bei den Anwesenden, sie seien der Grund für das Erstarken der AfD im ganzen Land. Die AfD sei nach den Erfolgen nun eine „gesamtdeutsche Volkspartei“ geworden und habe die Chance bei der Bundestagswahl 2017 die stärkste Kraft zu werden. Denn und das würde nun jedem Deutschen bewusst, die AfD ist die Partei der „Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratiebelebung“ und am Wohle des eigene Volkes gelegen. Durch Beleidigungen, Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, sei „infantil“ und Sigmar Gabriel ein „Volksverderber“ stachelte er die Menge weiter auf, nicht wenige ließen sich zu, „Merkel muss weg, Ferkel muss weg“ oder sogar „Aufhängen! Aufhängen!“ Rufen hinreißen. Seinen Kurs ließ bestätigte er sich mit Verweisen auf Aussagen von seinem großen Idol, Vikotor Orban. Orban erklärte kürzlich, dass er es nicht zulassen werden, dass es rechtsfreie Gebiete in seinem Land geben werde, unkontrollierte Zuwanderung sei in Ungarn nicht möglich. Dies ist die einzige Möglichkeit, brennende Flüchtlingsheime zu verhindern. Geschickt versteckt Höcke hier seine eigentlich Aussage: Geflüchtete sind selber schuld, wenn ihre Wohnheime brennen, sind keine Geflüchtete im Land, können diese auch nicht bedroht werden. Die Saat für weitere brennende Heime ist gelegt.

Mit einem „kämpfen und siegen wir!“ beendete Höcke die Kundgebung, die Masse verlief sich schnell. Es war Deutsch geworden in Kaltland.

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