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Rassismus im Fußball ist leider weit verbreitet. Nicht nur in den oberen Liga kommt es immer wieder zu rassistischen Vorfällen, vor allem in unteren Klassen müssen sich alle Beteiligten dem Problem stellen. Ein Bericht nach wahren Geschehnissen. 

Es ist Sonntag. Der Duft von Bratwurst liegt, gemischt mit frischen gesprengten Gras, über dem Fußballplatz. Noch ist Ruhe. Spieler kommen in Trainingshose, dicken Kopfhörern und schweren Sporttaschen lässig über der Schulter in die Kabinen geschlurft. Erste Stammgäste warten am leeren Spielfeld.

Ein moderner Konferenzraum. Knapp zehn junge Schiedsrichter sind versammelt, ältere Kollegen sind auch dabei, es geht um die richtige Ansprache und das richtige Auftreten auf dem Platz, alles in Rollenspiele durchgespielt.

In Zeiten, in denen der Fußball immer schneller wird, die zu verdienende Geld immer größer und die Zahl der Schiedsrichterskandale zunimmt, werden schon in den untersten Klassen die SchiedsrichterInnen professionell geschult. Besonderes auf das Auftreten wird größten Wert gelegt, nichts darf den jungen SchiedsrichterInnen negativ ausgelegt werden, wenn er im Spiel auf die harte Realität trifft. Nichts darf die Emotionen der SpielerInnen unnötig reizen.

Es wird lauter, Anpfiff. Der Platz normal, das Wetter gut, es geht um wenig, die zweite Mannschaft eines hochklassigen Vereins ist eh nicht mehr einzuholen. Erste Zweikämpfe, kein Verein gönnt sich was, hartes Pressing bis weit über die Mittellinie. Fouls, auf dem Boden liegende Spieler, der junge Schiedsrichter hat nicht seinen besten Tag, es wird lamentiert, geflucht. Ein ganz normaler Spieltag.

Im kühlen Konferenzraum sind die Ausbilder zufrieden, die Jungen schlagen sich ganz gut, alles scheint zu passen. Dann, eine neue Karteikarte wird gezogen. „In einem Spiel beobachtest du einen normalen Zweikampf. Dann hörst du einen Spieler von Blau rufen. ‚Der Neger zieht doch die ganze Zeit!’ Wie reagierst du?“

Stille.

Erste Hände melden sich, etwas zaghaft, die Frage scheint nicht zu passen. Vorsichtig antwortet einer, das Spiel wegen Reklamierens zu unterbrechen, die Gelbe Karte könnte unter Umständen auch noch gezogen werden.

Das Spiel ist am Ende noch recht hitzig geworden, der Führungstreffer fiel kurz vor Schluss. Es soll passives Abseits gewesen sein. Im vermeintlichen Abseits stand: Die Nummer 14, ein Spieler mit dunkler Hautfarbe.

Kurz danach ist Schluss, während der Schiedsrichter noch alleine auf dem Platz steht kommen Spieler auf ihn zu. „Der Schwarze stand doch ganz klar im Abseits! So dunkel, dass du ihn nicht sehen kannst, ist der doch nicht,“ ruft einer. Während der Schiedsrichter im Begleitung vom Ordnungsdienst vom Platz geht, fallen ähnliche Bemerkungen, es sind die Zuschauer, das Bier in der einen, die Bratwurst in der anderen Hand.

Auch die Gruppe junger Schiedsrichter diskutiert jetzt etwas lebhafter. Nicht alle sind mit der Gelben Karte einverstanden, nein, auch die Rote wird erwähnt. „Aber ‚Neger’ sagt man doch einfach so, das ist doch nicht böse gemeint.“ „Auf dem Land heißen die halt so, das zu bestrafen bringt doch nur Ärger.“ In diese Richtung gehen die meisten Argumentationen.

Beide erwähnten Begriffe, „Neger“ und „Schwarzer“ – in ihrem erwähnten Kontext – haben im Sprachgebrauch unserer Gesellschaft nichts verloren. „ ‚Neger’ genannt zu werden,geschieht zumindest für die Generation der heute jungen Erwachsenen ausschließlich in beleidigendem und exotierendem Kontext.“ (Quelle: http://www.derbraunemob.info/shared/download/warum_nicht.pdf)

Warum dann auch nicht „schwarzer“? „Nach den journalistischen Richtlinien des Presserates wird die Hautfarbe nur genannt, wenn sie zum Verständnis der Nachricht unmittelbar notwendig ist.“ (Quelle: http://www.abc-poessneck.de/infos/downloads/info_journal_rstraf.pdf)

Auf dem Fußballplatz gibt es aber nur SpielerInnen, die SpielerInnen haben unterschiedliche Positionen, unterschiedliche Nummern. Keine unterschiedliche Hautfarbe! Diese gibt es im Spiel nicht. Es gibt nicht nur den „großen“, den offensichtlichen Rassismus, sondern auch den unbewussten Rassismus. Schon bei solch scheinbar kleinen Wörter fängt er an und ebnet den Weg zu viel schlimmeren Verbrechen.

Leider ist das nur wenigen Menschen bewusst. Wen wundert da das ursprüngliche Urteil des Fußballverbands Niederrhein? Ein Torhüter, der während dem ganzen Spiel rassistisch beschimpft wurde, mit einer Flasche beworfen wurde, wird vom Platz gestellt und anschließend für den Rest der Saison gesperrt.

Der Schiedsrichter? Will nichts gehört haben. Als SchiedsrichterIn muss tatsächlich viel überhört werden. Doch wenn er und seine Assistenten auf derartiges hingewiesen werden, nichts passiert und vor dem Sportgericht dem Schiedsrichter mehr glauben geschenkt wird als anderen, läuft etwas gewaltig schief.

Wenn Fußball als Spiegel der Gesellschaft gelten soll, ist es schlimmer als gedacht!

Mehr Informationen:

Die FAZ über das Geschehene 

Der Torhüter im Interview (Sportbild)

Fußball und Rassismus (bpb)