Menu
menu

Bericht zur Demonstration „Freiheit für Palästina“ am 20. Juli 2014

Mutig steht sie da oben auf der Bühne. Etwas nervös nimmt sie das Mikro, schaut sich unsicher um und beginnt dann doch mit lauter und entschlossener Stimme: Sie, die Tochter einer Deutschen, und eines Ägypters, aufgewachsen im christlichen Bayern, kann nicht länger ertragen, wie das Volk im Gazastreifen unterdrückt wird, kann nicht vor dem Leid die Augen verschließen. Sie ist hergekommen um für Frieden im Nahen Osten zu demonstrieren, ohne aber und das scheint ihr besonderes wichtig zu sein, religiöse Konfliktlinien aufzureißen. Es geht um Politik und um nichts anderes. Dunya Sabreen hat Mut, dass muss man ihr lassen.

Palästina_04
Dunya Sabreen (links)

Mit über 2000 Zusagen auf Facebook versprach die Demonstration „Freiheit für Palästina“ eine der größten Demonstrationen in München seit langem zu werden. Gekommen waren am Schluss dann knapp 4000. Nach den Ausschreitungen und Vorfällen in vielen Städten, von Deutschland bis Chile, war die große Frage, wie der Zug in München verlaufen würde. Ein Großaufgebot der Polizei begleitete die Kundgebung und sicherte das Jüdische Zentrum am Jakobsplatz.

Als sich die Menge, eine bunte Mischung aus Alt und Jung, Frauen und Männer, mit Kopftuch oder ohne, verschleiert oder mit langen Bärten, nach einer Stunde Redebeiträge in Bewegung setzte, dauerte es nicht lange, bis Sabreen das erste Mal wütend die Menge verließ. Laute „takbir – Allahu akbar“ Rufe schallten durch die Straßen. Ihre Bitte, Religion und Politik nicht zu vermischen waren schon vergessen. An ihre Stelle trat dagegen Ahmad Al Afghani, ein weitere Organisator der Demo (neben den beiden hatte noch die Palästinensische Gemeinde München zur Kundgebung aufgerufen) und heizte den vorderen Reihen kämpferisch ein. „Kindermörder“ er, „Israel!“ die begeisterte Menge als Antwort. Immer wieder, immer schneller.

Palästina_02neu
Ahmad Al Afghani (2. v.l.)

Viele Fahnen, die Palästinische, die Türkische, die Irakische, einzeln sogar die Deutsche, und Schilder hatten die Menschen mitgebracht. Während einige lediglich „Free Gaza“ forderten, waren aber auch Holocaust und Hitler Vergleiche ein beliebtes Motiv. Blutverschmierte Kinderpuppen wurde zur Schau gestellt, Muslimbrüder und Graue Wölfe schmückten das wilde Durcheinander nationalistischer und antisemitischer Accessoires . Mehrmals wurde der Zug angehalten, um den einstudierten „Skatch“ zu bewundern: Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich, dann sind Schüsse zu hören. Vermutlich Israelische. Die Jugendlichen fallen tot um, wieder Ruhe. Helfer wollen sich um die verletzten kümmern, auch sie werden erschossen. Die Stimmung ist am kochen und das nicht nur wegen der drückenden Hitze.

Zwischenfälle bleiben zum Glück aus. Lediglich zwei Mal zeigen sich wohl Israelitische Sympathisanten. Während der Erste noch vor einer kleinen Meute flüchten muss, wird dem Zweiten von der Polizei lediglich mitgeteilt, dass er nicht weiter provozieren soll, er könne sonst zur Gefahrenabwehr festgesetzt werden. Verweise auf die hetzerischen Anti-Israelischen Plakate bleiben ohne Erfolg. Einer der Friedensdemonstranten wünscht ihm noch den Tod, bevor auch er die Kamera einpackt und schnell wieder verschwindet.

Palästina_05neu
Weitere Zitate auf kaffchris

Während also körperliche Übergriffe nicht zu beobachten sind, ist der Hass auf Israel nicht zuletzt „die Juden“, die deutsche, israelisch kontrollierte, Presse und Politik jederzeit präsent. Netanjahu und Israel als faschistisch und als Massenmörder bezeichnet, der vors Internationale Gericht in Den Haag gehört. Das Selbstverteidigungsrecht Israels in Frage gestellt. Ein neuer Erdogan für die Region gefordert. Kein Wort dagegen, nicht während der Kundgebung oder den vielen Redebeiträgen, wird über die Verbrechen der Hamas oder andere Islamistischer Gruppen verloren.

Am Ende steht sie dann nochmal auf der Bühne. Stolz. Stolz auf das was sie geschafft hat und stolz auf die, aus ihrer Sicht, erfolgreichen Kundgebung. Alle Konflikte scheinen vergessen, überwunden.

Frieden wollen sie alle. Verbunden aber sind sie durch den Hass. Den gefährlichen Hass auf Israel.

Palästina_03neu

 

Weitere Fotos gibt es auf Flickr

Weiterer Bericht auf Schlamassel Muc

AKTUALISIERUNG 22. JULI
Dunya Sabreen distanziert sich auf ihrer Facebook Seite von allen Antisemitischen Äußerungen, der Vermischung von Religion und Politik und von der Hamas.