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Kundgebung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Am Ende entlarvte er sich dann doch selbst: JedeR Israeli dürfe umgebracht werden. Wild gestikulierend steht er da, immer wieder seine Palästina-Fahne schwingend, umringt von einer kleinen Menge und redet sich um Kopf und Kragen. „Israel hat kein Existenzrecht!“

Ein wirklich schöner Gedenkort ist es nicht. Straßenlärm. Klein. Abgelegen. Einzig die ewig lodernde Flamme gibt ihm die symbolisch, ehrwürdige Ausstrahlung. Platz hätten trotzdem ein paar mehr ZuhörerInnen gefunden, nur knapp 300 Menschen haben den Weg zur Kundgebung gegen Antisemitismus und Antizionismus gefunden. Es reicht, die graue Fläche in ein blau-weißes (überwiegend die Israelische, hier und da vereinzelt die Deutsche) Fahnenmeer zu verwandeln. Unter ihnen auch hochrangige RednerInnen aus Politik und aus jüdischen und christlichen Einrichtungen, sowie Matthias Jena vom DGB Bayern.

Es ist eine friedliche Kundgebung, ohne große emotionale Momente. Brav werden, dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus würdig, Reden gegen Antisemitismus, gegen Antizionismus und besonderes gegen Ausgrenzung gehalten. Brav werden die Erfolge der eigenen Politik gegen Rechts gelobt (welche das sind bleibt mal dahin gestellt). Brav werden gemeinsamen jüdisch-christlich-abendländische Werte betont. Nur die Rede von Charlotte Knobloch lässt den ungemütlichen Sommerregen für wenige Augenblicke vergessen, als sie von der schlimmsten Zeit seit 1945 spricht.

Störer fanden sich nur sporadisch und doch Mitten in der Menge. Trotz expliziter Bitte der Kultusgemeinde konnte es einige nicht lassen, mit aus Tesa zusammengebastelten Schildern, Holocaust und Gaza zu vergleichen oder mit islamophoben Thesen Gewinn aus dem aktuellen Konflikt zu ziehen. Wirkliche Beachtung fanden sie nicht, die meisten TeilnehmerInnen zogen schon gleich nach Ende der Kundgebung wieder von dannen und überließen das Feld einer immer obskureren Mischung aus Antisemiten, Antizionisten, Islamkritikern (die nichts besseres zu tun hatten, als vermeintlich „Linksextremisten“ abzufilmen), alt-Kommunisten. Ein paar DiskutantInnen sind geblieben, auf einen gemeinsamen Nenner kommen sie trotz emotionaler Versuche alle nicht.

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Am ehesten sticht der junge Mann mit palästinensischer Flagge, umgebunden und in der Hand, aus dem unübersichtlichen Feld der diskutierenden Kleingruppen hervor. Schon während der laufenden Kundgebung, kann er sich oft nicht halten, beklagt mehrmals laut „den Missbrauch der Opfer des Nationalsozialismus, um die Angriffe auf Palästina zu rechtfertigen“. Einmal in Fahrt, ist er nach dem offiziellen Ende kaum mehr zu stoppen. Stellt die Demokratie in Israel in Frage. Lobt die Hamas, die sein Land verteidigt. Wünscht sich einen Staat für sein Volk auf dem historischen Palästina (was immer dieses Sein soll). Beklagt Völkermord. Versteht Selbstmordattentäter.

Antisemitismus? Nein, schließlich sind auch Araber Semiten. Wie er es mit dem jüdischen Volk hält? Jeder und jede Israeli muss Militärdienst leisten und hat ergo eine Mitschuld am sterben kleiner Kinder. Ohne Ausnahme. Der Rest braucht nicht wiederholt werden.

Es ist nur eine kleine Gruppe und nur eine kleine Randnotiz. Grund genug, sich trotzdem mit ihr zu beschäftigen.

Ein weitere Bericht zur Demo findet sich hier auf Sebids Blog.

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Nicht alle duldeten antisemitische Äußerungen.