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Garmisch-Partenkirchen am Mittwoch vor dem G7 Gipfel

Weiß-Blau oder Blau-Weiß? Das war die wohl wichtigste Frage an diesem Mittwoch. Einen Tag nachdem das Protestcamp im beschaulichen Touristen-Örtchen am Fuße der Zugspitze zu beantworten war. Nur wenige Wolken drängten sich am Himmel und ließen die OrganisatorInnen des Lagers gehörig schwitzen.

Selbstverständlich, gearbeitet wurde schon auch. Nachdem dem Eilantrag stattgegeben wurde und das Verbot des Camps für ungültig erklärt wurde, begannen am frühen morgen die Aufbauarbeiten, und schon am Nachmittag wuchs das Camps auf über 100 Personen an, Küchen-, Versammlungs- und Sanitätszelt standen und die Stimmung war gut und ausgelassen. Selbst als der örtliche Ableger der Jungen Union den BewohnerInnen einen Besuch abstattete und mit einem rätselhaften Plakat (das wohl, es kann nicht anderes sein, extra für diesen Kurzauftritt auf angefertigt worden war – genauso unsinnige Kosten, wie das dicke Buch Seehofers an die anreisenden Staatsgäste) kam es zwar zu einer leidenschaftlichen Debatte, doch am Ende wurden die drei JUler durchs Camp geführt und versprachen sogar am Samstag auf die Große Demo zu gehen.

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Ein paar dunkle Wolken trübten das geschehen trotzdem. Da wären zum einen die drei Verkehrskontrollen auf der Strecke nach Garmisch zu nennen. Keineswegs dienen diese, wie immer betont wird, zur Verkehrsumleitung, sondern zur gezielten Kontrolle und verzögern von DemonstrationsteilnehmernInnen. Nicht anderes sind auch die zahlreichen Aufbauten am Rasthof Höhenrain, gut versteckt hinter Biegung und Böschung, zu erklären. Hier wird sich ganz offensichtlich auf lange und ausführliche Kontrolle von größere Reisegesellschaften vorbereitet. Der Zugang zum Zentralen Ort der Protestkundgebung, dem Lager, erweist sich ebenfalls als Hindernislauf. Uniformierte Beamte auf der Brücke über der Loisach, und mehrere Einsatzfahrzeuge samt Belegschaft auf dem Weg dorthin. Nicht dass sie nur dort stehen würden es wird auch penibel nach Ausweis und Grund des Besuches gefragt. Ohne Anfangsverdacht einer Straftat ein unerhörter Sachverhalt. Den Vogel schießen allerdings diejenigen Beamten ab, die sich hinter Heustadln versteckt Jagd nach Fotomotiven innerhalb des Lagers machen. Dabei sind nach Angaben des Sprechers schon Zugeständnisse an die Behördengemacht worden, die ebenso schriftlich mit der Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen fixiert wurden. Dazu gehören, dass kein Zaun als Sichtschutz aufgestellt wird – beste Einladung für unerwünschte Zuschauer von außen.

Und während innerhalb des Camps gemütlich die nötigen Vorbereitungen auf den erhöhten Ansturm, besonders nach der großen Demo am Donnerstag in München, getroffen werden, vernageln sich die letzten Läden in der Innenstadt sprichwörtlich. „Nur ein Idiot braucht mit Farbbeutel hier rumlaufen und schon wären die Malereien an den Häusern für immer verloren“, erklärt einer, der gerade noch sein Geschäft mit Holzspanplatten sichern konnte. Währenddessen beklagt sich eine andere Ladeninhaberin über Umsatzeinbußen von über 50%. Denn während zu dieser Zeit die Touristen die örtlichen Hotels überfluten, würden die nun einquartierten Polizisten keinerlei Geld in die Kassen spülen – und obendrauf auch keine Kurtaxe zahlen. Für den Ort also ein doppelter Verlust.

Noch bleibt also alles, bis auf die üblichen, angekündigten und zu erwartenden Repressalien, alles Ruhig. Und so blieb noch viel Zeit sich über die richtige Bezeichnung des bayerischen Himmels Gedanken zu machen.

Titelbild: Claudia Stamm, MdL, im Gespräch