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Bericht zur Großdemonstration gegen den G7-Gipfel, am Samstag, in Garmisch Partenkirchen

„Welcome dahoam“ stand in großen Lettern an den Eingangspforten des Münchner Flughafens, dor alsot, wo der geneigte Staatsgast quasi direkt in aus den Wolken fällt und in einem kleinen Märchenstaat landet. Berge, Bauernhöfe, Bier am Morgen, Weißwurst, fesche Dindl, die Welt noch in Ordnung. Und, so dachten sich die Lenker im Hintergrund, also die gottähnlichen Gestalten im Luftschlösschen zu München, genannt Staatskanzlei, wer da hinein möchte soll sich schon als würdig erweisen, die ewigen Jagdgründe zu betreten. So wurde akribisch geplant und noch akribischer jedes erdenkliche Hindernis den Gipfelstürmern aka. Himmelfahrtskommando aka. Schwarzer Block aka. Linksterroristen in den Weg gelegt. Grenzkontrollen, Straßensperren, Begleitschutz. Und so wurde wohl gedacht, weil wir auch nicht ganz perfekt sind, ist es besser jedes Hinderniss nicht einml, nicht zweimal, sondern wahrscheinlich dreimal aufzubauen, damit sich die AnwärterInnen auch würdig erweisen. Über die Kontrollen auf den drei Straßen, die in das Herz des Paradieses führten, wurde ja schon berichtet, spannend war dann noch, was einen auf der Schiene alles erwartete.

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Erst einmal erstaunlich wenig, am Bahnhof war kaum Sicherheitspersonal zu entdecken, und die schienen sich lieber um die anderen Schwarzen zu kümmern, die die aus Afrika auch einen Teil des Kuchens haben wollen und unmittelbar auf die verfehlte Politik der G7 Staaten aufmerksam machen.

Zugegeben, der Zug war erstaunlich leer, diverse Wandergruppen hatten, so war in munteren persönlichen Gesprächen zu erfahren, hatten sich auf eine lange Reise auf den Stehplätzen eingestellt. Das in den Leitstellen keine normale Menschen am Werk sein mussten, wurde dann einem wieder bewusst, als jeder noch so kleine Bahnhof von einer Dorfgroßen Polizeiarmada gesichert wurde, sodass nachträgliches Flüchten quasi unmöglich gemacht wurde. Zusätzlich dazu wurden noch gepanzerte und mit Helmen ausgerüstete Beamte in die züge geschickt. Vor was die Vollpanzerung schützen sollte – herunterfallende Koffer, fiese Gepäckträger auf Kopfhöhe, strampelnde Kleinkinder? – wurde nicht ersichtlich, die paar verstreuten DemonstrantInnen, die sich auf den Weg gemacht hatten waren damit beschäftigt der gnadenlosen Hitze das beste abzugewinnen.

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Wer das alles überstanden hatte, hatte den Endboss noch nicht besiegt: Ein hermetisch abgeriegelter Bahnhof, versperrt von Gittern und mehr oder weniger freundlichen, in der Sonne dahin schmelzenden, Beamten. Doch dann, endlich, Freiheit. Eine italienische Band spielte auf der Bühne – Bayern als nördlichstes Gebiet Italiens – erfreute die TeilnehmerInnen und erinnerte die ein oder anderen wohl doch fast an den Himmel.

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Als es dann endlich losging, mussten die Himmelsfahrer dann mit den Engeln in Grün und Dunkelblau Bekanntschaft machen. In zwei Reihen begleitete sie den Zug so eng, wie zu erinnern, dass sie wirklich sind und doch keine Einbildung. Nur wer ihnen zu nahe kam, weil zum Beispiel der Platz in der Demo jedes normale fotografieren (arbeiten!) unmöglich wurde und etwas Platz suchte, wurde in engelsgleichen Tönen angebellt, „suchen sie sich doch woanders Platz!“. Auch im Himmel kann es eng werden.

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Wer sich schon im Voraus gewundert hatte, welch Wunder geschehen muss, damit der gesamte Demozug, es schafft komplett in sich zu drehen, sah sich seinen Hellseherischen Fähigkeiten bestätigt: Es war fast unmöglich. Nicht nur, dass mit göttlicher Gnade, das den meisten vor Glück die Tränen kamen und ein wenig Geißelung (die Sündhaften) ertrugen, (es schlicht Pfefferspray und Schlagstock zu nennen, würde nur Banausen einfallen), ein wenig nachgeholfen wurde, war die Straße, so simpel es klingt und wohl nicht vorher zu erwarten war, verstopft. Nach der ganzen Aufregung, die so manches Gemüt hochkochen ließ, erbarmte sich Wettergott (oder in Bayern unter Das-muss-man-erst-mal-hinkriegen:-Gestern-die-Demonstranten-wegschwemmen-und-heute-so-ein-Wetter-Dobrindt bekannt) und öffnete seine Himmelschleusen und verwandelte das Camp in einen aufragenden Wildwasserpark. Soll noch jemand behaupten im Himmel sei nichts geboten.

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So erübrigten sich alle weiteren Aktionen an diesem Tag, völlig durchgenässt und unterkühlt, machte sich ein Großteil der angereisten wieder auf, das Paradies zu verlassen. Nur die Besonderen halten es halt im Himmel der Bayern aus und nur wenige sind den gestellten Anforderungen gewachsen.

Weitere Bilder: L//S photography, PM Cheung
Weitere Berichte: beobachternews, Preiselbauer
Weitere Videos: Gipfeldoku, vice
(Liste unvollständig)