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G7 Gipfel: so war der Sternmarsch am Sonntag

Es sollte der Höhepunkt des Wochenendes werden: der Sternmarsch. Von verschiedenen Richtungen aus, sollten sich die Demonstranten dem Sicherheitszaun, beziehungsweise dem Schloss samt seinen temporären Bewohnern nähern. Das es nicht einfach werden würde war von Anfang an klar, das Schloss liegt von Natur aus gut geschützt hinter einer kleinen Bergkette in einem einsamen Tal. Nur wenige Straßen führen dort hin, und durch den Wald war ein 14 km langer Zaun gezogen worden. Nur kleine Nagetiere konnten diese Sperre nun ungehindert überwinden.

Sternmarsch - A hike to the bog fence around Schloss Elmau

Vom Protestcamp aus waren es knapp 10 km Luftlinie zum Schloss, schon früh wollten die ersten Starten. As Problem nur: erschöpft von Hitze und Regen reisten am Abend die meisten schon wieder ab. So wuchs das Camp nicht wie erwarten übers Wochenende an, sondern schrumpfte viel eher wieder. Die wenigen, die noch geblieben waren, waren zahlenmäßig zu gering, als dass solche Bilder wie in Heiligendamm hätten sich bilden können. Neben den vier offiziellen Demos, machte sich eine etwas größere Gruppe von, Berichten zufolge, schätzungsweise 150 Personen auf eigene Faust los, um die zahlreichen Sicherheitsbeamten zu bespaßen. Mehr als zwei winzige Straßenblockade kam, an dem Tag als die Staatschefs ihr Quartier bezogen, nicht zustande.

Sternmarsch - A hike to the bog fence around Schloss Elmau

Offiziell erlaubt dagegen waren vier Demonstrationen: eine in Klais, nach Berichten mit nicht mehr als zehn TeilnehmerInnen, eine Radldemo mit einer Größe von ca. 150 TeilnehmerInnen, hauptsächlich Personen, die nicht mehr wandern konnten, und schließlich die zwei Arme des Sternmarsches. Hier nahmen ungefähr 400 Personen teil, wobei nicht ganz klar war, ob mehr Demonstranten oder mehr Presse daran teilnahm.
Wer die Bilder aus Heiligendamm gesehen hat, hat mit viel rechnen können. Doch die einzigen, die auf viel, was auch immer das bedeutet hätte, vorbereitet waren, waren die Sicherheitskräfte. Die begann mit einer Kontrolle der Ausweise vor dem Betreten des Wanderweges zum Schloss, und endete mit dem auf beiden Seiten massiv gesicherten Zaun, samt diversen Einrichtungen, wie riesigen Tageslichtleuchtern und kleinen Bauhütten zur Verpflegung der Einsatzkräfte.

Sternmarsch - A hike to the bog fence around Schloss Elmau

Die ganze Wanderung von Garmisch starten, bis zum Zaun, wirkte insgesamt eher wie eine betreute Wandergruppe irgendeines Jugendclubs, als eine echte Demonstration. Klar, die obligatorischen Fahnen waren dabei und antikapitalistische Sprechchöre („Autonome Wandergruppen“) hallten durch die Täler, doch schien der Großteil noch nie einen Berg gesehen zu haben und war entsprechend ausgerüstet. So machten schon viele noch vor der ersten Zwischenrast wieder kehrt oder kühlten sich an jedem Flusslauf ihre Flip-Fliop wundgelaufene Füße. Niemand hatte sich wohl vorstellen können, „den Gipfel stürmen“ wörtlich zunehmen. Begleitet wurden beide Gruppen von zwei Trupps der Polizei, eine hinten, eine vorne, was manchmal zu skurrilen Szenen führte. Mehrmals musste der Einsatzleiter – von der stechenden Sonne, die auf seinen kahl geschorenen Kopf knallte, nicht gerade freundlich aufgelegt – dem müden Demozug die Richtung weisen. Einmal, die Gruppe war gerade an einer Weggabelung angekommen, die massiv von behelmten Einsatzkräften gesichert war, lief er wild gestikulieren durch die Menge und wunderte sich warum die Gruppe nicht weiterlief, aber auch sonst keine Anstalten machte, irgendetwas zu machen.

Sternmarsch - A hike to the bog fence around Schloss Elmau

Die Gruppe war schlicht zu erschöpft, um das Erwartbare zu machen: Sprechchöre zu rufen und die Absperrung zu durchbrechen. So ging es nach kurzer Unterbrechung weiter, bis beide Arme des Marsches wieder zusammentrafen, direkt am Zaun. Die Stelle war eng und es hätte durchaus zu ungemütlichen Szenen kommen können, aber auch wenn die Gipfel Leitung mit allem gerechnet hatte, eine Sache hatten sie vergessen einzuplanen: Die Fitness. Müde und erschöpft ließen sich die meisten nach drei Stunden Wanderung einfach da fallen, wo sie gerade standen, oder flüchteten sich in einen der kleinen, kühlen Gebirgsbäche. Nur zwei Personen wagten sich in den dichten Wald, wurden aber schnell entdeckt. Eine große Zahl von Journalisten folgte den beiden, immer auf der Suche nach Motiven, die die Wanderung rechtfertigen, konnten aber nichts brauchbares finden, dienten lediglich selbst der Kulisse. Hier hätte sicherlich etwas mehr Geschehen können, zum Beispiel dann, wenn die meisten der knapp 500 TeilnehmerInnen der im Tal stattfindenden Demo in Garmisch dem Sternmarsch gefolgt wäre. Zur Freude der Einsatzkräfte zogen die meisten schnell wieder ins Tal ab. Ob ohne die Tatkräftige Unterstützung der Bergwacht, die an zahlreichen Punkten Wasserflaschen und kleine Snaks verteilten, es so viele nach oben geschafft hätten, kann wohl bezweifelt werden.

Sternmarsch - A hike to the bog fence around Schloss Elmau

Mehr als der größte Polizeieinsatz in der bayerischen Geschichte, wirkte somit wohl das bayerische Wetter und die Geografie gegen die Protestieren. Hitze, Nässe, Kälte, Hitze, Nässe, das reibt die heutigen Protestierende schneller auf als ein dutzend Hundertschaften in Berlin-Kreuzberg.

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