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Der ESV Neuaubing startet mit einer Vertriebenenmannschaft in der C-Klasse

Fast normal wie der Kaffee war diese Woche die Meldung von einer brennenden Vertriebenenunterkunft zum Frühstück. Kein Winkel des Landes blieb verschont. Rassismus und Menschenfeindlichkeit nicht „nur“ Problem im Osten, keine „Parallelwelt“, die „Meinung der Unverbesserlichen“.

Menschen – vertrieben aus ihren Ländern, ihrer Umgebung, dem Wenigen das sie haben beraubt auf der Flucht, erniedrigt, eingesperrt, Hitze, Hunger – kommen in ein Land, das täglich tonnenweise Lebensmittel wegschmeißt, weil die Kartoffel zwei braune Flecken hat. Wenn sie es überhaupt schaffen.
So etwas wie Normalität, kann es die dann überhaupt geben? Ein Leben ohne Hass und Angst, ohne Erniedrigung? Nur schwer vorstellbar, im Kopf, da hört es nie auf.

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Raus aus den Heimen, raus auf den Platz, denn „Fußball ist stärker als Krieg und Terror“. Mit diesem Leitsatz startet morgen ein einzigartiges Projekt in Bayern: die erste Fußball Mannschaft, bestehend nur aus Vertriebenen, die am regulären Spielbetrieb teilnimmt. C-Klasse. Ganz unten. Spiele gegen zweite, dritte Mannschaften. Hartplätze. So sieht Hoffnung aus.

Weit ab vom perfekten Rasen und der Massage-Liege, da zählt mehr „als ein 1:0 Siegtreffer in der letzten Spielminute.“ Fairplay und Respekt, in einer Umgebung, die alles andere als Respekt und Fairplay den Spielern gegenüber zeigt.

Es wird viel Presse kommen, Kameras, Journalisten, Sportstudio. Vielleicht kommt auch der ein oder andere Supporter. Doch was bleibt? Die Aufregung wird sich legen, Alltag, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Werden die Nerven halten? Wie verändert sich die Moral der Mannschaft, bei ausbleibenden Erfolg, Verletzungen, harten Gegenspielern? Später, da wird es viel zu erzählen geben, manches beschönigt, manches vergessen und alles erinnert werden. Ich freue mich, die Mannschaft eine Saison auf diesem langen „Experiment“ begleiten zu dürfen.

Viel Glück und Erfolg für den ESV Neuaubing!