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Erst sind es nur Stimmen, dann langsam, tauchen die dunklen Silhouetten am Ende der Straße auf, das fahle Licht der Scheinwerfen tausendfach im dichten Nebel gebrochen. Es ist kalt, die Nässe zieht durch jede Naht. Barfuss, in Flipflops, kurze Hosen, nur gehüllt in Decken des UNHCR, die weiter unten ausgegeben werden, ein paar Taschen. E sind viele, es wird unübersichtlich, vorsichtig nähern sie sich dem aufgebauten Essen und Trinken, „how much, how much?“

Alles ist kostenlos, Bananen, Kekse, Joghurt. Bis gestern gab es wohl noch warmes Essen, es wurde verboten von der Polizei. Durchfallgefahr. Es wird gefragt, ob es am Essen liegt oder an der tagelangen, monatelangen schlechten Nahrung, die die Refugees sonst so zu sich nehmen. Ein schwedisch-kurdischer Koh – vor 30 Jahren selber geflohen – hat sein Restaurant verkauft und ist mit seinem spontan an die ungarische und kroatisch-serbische Grenze gezogen. „Lieber gehe ich ins Gefängnis, als den Menschen nicht zu helfen.“ Seit mehreren Wochen schon versorgen sie ankommende Menschen mit warmen, oder eben gezwungenermaßen mit kalten Speisen.

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Die Leute sind dankbar, trauen sich kaum und doch – nach einem herzhaften Biss, übersiegt der Hunger, noch schnell ein paar Vorräten werden eingepackt.

Sie sind mit dem Bus von der mazedonischen Grenze an die Kroatische Grenze gebracht worden. Dafür verlangt die serbische Regierung 60€ pro Person! Dann ein kurzer Fußweg, am Essenszeit vorbei, ein paar Decken und Jacken noch mitnehmen, dann geht es weiter mit dem Bus – kostenlos – ins Aufnahmelager, Registrierung, und es geht wieder weiter, über Ungarn nach Österreich, Deutschland. An welchem Grenzübergang die serbische Regierung die Refugees über die Grenze lässt, ist unklar, Freiwillige auf der serbischen Seite wurden wieder weggeschickt, seitdem gibt es keine Meldungen über Vorgänge auf der anderen Seite.

Es herrscht ein stetiges kommen und gehen im Lager der freiwilligen Helfer*innen. Es wird viel Deutsch gesprochen, Schweizer*innen, Österreicher*innen, Deutsche, aber auch eine große Gruppe aus Tschechien ist im Grenzgebiet unterwegs, stehen in provisorischen Lagern und versuchen den ankommenden Menschen irgendwie zu helfen. Die großen Hilfswerke sind auch da, es wird aber viel über sie geklagt. Sie machen wenig und wenn müssen sie noch darauf hingewiesen werden, was zu tun ist.

In den nächsten Tagen werden die Grenzen nach Ungarn wohl endgültig zu werden, deshalb gehen an der Slowenisch-Österreichischen Grenze die Behörden von einem verstärkten Andrang aus. Es werden riesige Zelte für mehrere tausend Menschen errichtet.

Lager an der Slowenisch-Serbischen Grenze.
Lager an der Slowenisch-Serbischen Grenze.

Wir können ins Bett gehen, aber die Menschen, an denen wir mitten in der Nacht vorbei fahren, harren noch stundenlang in der kalte auf der Straße aus. Die Busfahrer müssen sich noch ausruhen, bevor die nächste Schicht wieder beginnt.