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Belgrad. Serbien. Schon wenige Meter hinter der serbischen Grenze zeigt sich ein ganz anderes Bild, die Straßen in einem deutlich schlechterem Zustand, viele Häuser sind zerstört, es wird nur wenig gebaut, ganz langsamerer Verfall, der alten Glanz aber, noch zu erahnen.

Belgrad bietet bald ein ähnliches Bild, hier stehen noch von Bomben getroffenen Ruinen, lebendige Denkmäler. Unendlicher Verkehr verlangsamt das vorankommen, mehr Zeit sich umzusehen, alles ist irgendwie grau, obwohl die Sonne so kräftig wie schon lange nicht mehr scheint.

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Zwischen Hauptbahnhof und Busbahnhof, in kleineren Parks Zeltstädte von Refugees. Eine komplett andere Szenerie wie in Kroatien. Keine staatlichen Strukturen, in der Mitte ein kleines Zelt einer Hilfsorganisation, am Rande ein Tanklaster, das einzige Frischwasser das zu bekommen ist. Gleichzeitig Waschplatz und die Möglichkeit zur Körperhygiene. Alles in der Öffentlichkeit. Es ist wieder warm, aber letzte Woche heftiger Regen und bittere Kälte, ein kleiner Vorgeschmack auf das was kommen mag. Zelte stehen zwischen den Bäumen auf den Fläche, Kinder spielen dazwischen. Wenn wir es nicht besser wüssten, wir würden normales Straßenleben vermuten.

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Wir treffen Afghanen, seit drei Monaten sind sie unterwegs, jetzt schon über eine Woche unterwegs. Große Augen, wenn sie erfahren, dass wir aus Deutschland kommen. Neugierig über aktuelle Entwicklungen der Fluchtrouten, es herrscht Angst, in Ungarn zu landen, in einem Land zu bleiben, wo sie nicht hinwollen, natürlich, Deutschland das Ziel. „Fingerabdrücken? Wo werden die genommen? Müssen wir dann da bleiben?“

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Insgesamt, so wird erzählt, ist die Lage hier aber derzeit ruhig, nur wenige kommen noch an, die meisten bleiben etwas länger um sich auszuruhen. Die Solidarität der Bevölkerung erstaunlich hoch. Wir vermuten, ökonomische Gründe. Geschäfte im Viertel können wohl mit deutlich mehr Kund*innen rechnen, Taxifahrer verlangen 100€ für die Fahrt an die kroatische Grenze, das Geschäft ihres Lebens. Die Aussicht, dass die meisten hier nur auf Zwischenstation sind, macht es wohl auch erträglicher.

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