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Ein breites Grinsen. „Wenn ich wieder in den Iran zurück muss, werde ich umgebracht.“ Mir fällt die Schaufel aus der Hand, taumle etwas rückwärts. Sind es die Dämpfe des vor sich hinrottenden Abfalls den wir gerade versuchen von der Straße zu kratzen, oder doch seine Geschichte? Ali, 24, kommt aus dem Iran ist seit ein paar Wochen unterwegs, und möchte vom Islam zum Christentum übertreten, weshalb er jetzt fliehen muss. Sein Englisch ist hervorragend, er hat zwei Jahre lang Architektur studiert. Jetzt ist er nur noch mit einem Rucksack unterwegs, steht stundenlang in der Hitze in Presheve an der Serbisch-Mazedonischen Grenze und hilft ganz selbstverständlich den wenigen freiwilligen hier, die Straße vom Müll zu befreien.

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Gegen Mittag noch wirkt die örtliche Polizei überfordert, die vielen Refugees schaffen es immer wieder Absperrungen zu durchbrechen, Schlagstock wird eingesetzt, die Spezialpolizei rückt mit Maschinengewehren und schwerer Panzerung an. Die Menschen müssen hier anstehen, weil sie eine Registrierung brauchen, um Serbien zu durchqueren. Dieses Papier ist 72 Stunden lang gültig. Dann können, besser müssen die Busse Richtung Kroatischer Grenze genommen werden, eine Fahrt 35€. Wer ohne Papiere den Bus besteigt, verliert all sein Geld und muss wieder ganz hinten anstehen.

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Entlang der Straße reiht sich ein Zelt nach dem anderen, Menschen verbringen hier offensichtlich mehrere Tage, bevor sie vorgelassen werden oder die Kraft haben sich stundenlang in der Hitze in die Schlange zu stellen. Wenn sie den Platz in der Schlange verlieren, müssen sie wieder ganz hinten ran, Essen, Schlafen, der Klogang, alles nicht möglich. Plötzlich übergibt sich ein kleines Mädchen, hängt schwach am Gitter Kreidebleich im Gesicht. Verhandlungen mit der Polizei, ob sie und ihre Familie rausdürfen. Es ist möglich. Überhaupt, Alte und Gebrechliche Menschen haben die Möglichkeit die Schlange zu überholen, aber jede Fall neue Verhandlungen.

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Wir registrieren uns als Helfer, fotografieren kaum möglich, die Polizei schickt uns immer wieder weg, will nicht schlecht in Szene gesetzt werden. Einer der Polizisten schaut mich auch später immer wieder böse an, schickt mich auch dann immer wieder weg. Sonst klappt die Zusammenarbeit erstaunlich gut, aber Ende noch ein großes Lob vom „Commander“.

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Der Registrierungsprozess dauert unendlich lange, wir warten und warten. Als wir wieder zurück kommen, hat sich die Lage beruhigt, Schlangen wurde gebildet, die eine Straße der Seite ist abgesperrt die andere wieder frei. Müll türmt sich überall, es stinkt, immer wieder müssen sich die Refugees in den Müll setzen. Deshalb die Befreiungsaktion. Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber eine gute Gelegenheit mit einigen ins Gespräch zu kommen.

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